Methoden mag es Millionen oder mehr geben, aber Prinzipien gibt es nur wenige. Wer Prinzipien begreift, kann mit Erfolg seine eigenen Methoden auswählen.
— Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

#1: Es geht IMMER um Bewegung. Jeder Mensch bewegt sich, die Qualität der Bewegung unterscheidet sich allerdings.

Bewegung hat natürlich etwas mit Kraft zu tun. Das ist aber doch nicht alles, oder?

Begegne ich Menschen und konfrontiere sie mit dem Wort "Fitness", denken diese unweigerlich an die (gefühlte) Quälerei im Fitnessstudio - an das Krafttraining.

Strength is not movement. It’s a component of good movement. You need enough of it but too much moves you into the strength dogma and out of the better movement dogma.
— Ido Portal

Kraft ist also nur ein Teil von Bewegung, ein Mittel zum Zwecke der Bewegung. Kraft ist nicht das Einzige, nicht der einzige Teil, der Bewegung ausmacht.

Pyramide nach Cook.jpg

#2: Grundlegend für Bewegung ist die Beweglichkeit, auf welcher die Kraft aufbaut, woraus folglich eine Leistungsfähigkeit entsteht.

Ganz egal ob du einen schnellen 100m-Lauf anstrebst oder "nur" eine Kiste Wasser aus dem Auto in den 2.Stock tragen willst, als Grundlage sehe ich wie Cook die Mobilität und Flexibilität des menschlichen Körpers. Niemand kann Kraft aufbringen, wenn er gar nicht erst in die Position gelangt, um diese gegen einen Gegenstand oder sich selbst zu generieren.

Das bedeutet hier einen großen Schritt machen zu können beim Lauf oder mit einer ordentlichen Bewegung den Kasten aufzuheben und wieder abzustellen.

Ist diese Beweglichkeit gestört, bspw. durch eine Dysfunktion der Hüfte (eingeschränkte Beweglichkeit), sucht der Körper nach einer Lösung und rekrutiert andere Strukturen (evtl. den unteren Rücken in diesem Beispiel) hinzu, so dass er die Bewegung (trotzdem) durchführen kann. Diese Dysfunktion muss, um wie von der Natur angedacht "funktionieren" zu können, erst beseitigt werden BEVOR die Struktur gekräftigt wird, da sie sonst in ihrer Fehlfunktion gestärkt wird. 

Unterschiedliche Gelenke = unterschiedliche Funktion und Anforderung.

Unterschiedliche Gelenke = unterschiedliche Funktion und Anforderung.

Höre auf deinen Körper! Tue was gut für ihn ist. Du hast nur diesen einen!

#3: Fitness bedeutet in allen Domänen Leistung abrufen zu können. Sei es im Alltag oder im Sport.

Unter Beachtung dieses übergeordneten Ziels sollte ein ganzheitliches Konzept immer ALLE Charakteristika von Bewegung und ihrer Qualität, also auch Leistungsfähigkeit, integrieren. Ausgewogenheit spielt eine große Rolle. Alle 10 physischen Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten sollten also Beachtung finden um echte "Fitness" zu erreichen.

  1. Cardiovaskuläre / aerobe Ausdauer
    • Die Fähigkeit der Körpersysteme Sauerstoff zu verarbeiten.
  2. Ausdauer
    • Die Fähigkeit des Körpers Energie zu speichern, zu generieren und verarbeiten, wobei er widerstandsfähig gegenüber Ermüdung ist.
  3. Kraft
    • Die Fähigkeit einer muskulären Einheit oder einer Kombination von muskulären Einheiten Kraft zu entwickeln.
  4. Flexibilität
    • Die Fähigkeit den Bewegungsradius eines Gelenks zu maximieren.
  5. Explosivität
    • Die Fähigkeit einer muskulären Einheit oder einer Kombination von muskulären Einheiten maximale Kraft in minimaler Zeit zu entwickeln.
  6. Geschwindigkeit
    • Die Fähigkeit, die zeitliche Dauer einer sich wiederholenden Bewegung zu minimieren.
  7. Koordination
    • Die Fähigkeit, verschiedene Bewegungsmuster in eine einzelne deutliche Bewegung zu kombinieren.
  8. Agilität
    • Die Fähigkeit, die Übergangszeit von einem Bewegungsmuster zu einem anderen zu minimieren.
  9. Balance
    • Die Fähigkeit, die Lage des Körperschwerpunkts und des Körpers in Bezug auf dessen Kontaktpunkte zum Boden zu kontrollieren.
  10. Genauigkeit
    • Die Fähigkeit, eine Bewegung in einer vorgegebenen Richtung oder in einer gegebenen Intensität zu durchzuführen und zu kontrollieren. 

 

Noch mal: In allen 10 Bereichen so "gut" wie möglich zu sein, bedeutet für mich "fit sein". Eine Spezialisierung wird nur dann notwendig und muss trainiert werden, falls dies entweder der Alltag oder die Ausübung einer Sportart verlangt.

#4: Körper und Geist sind eine Einheit. Sie sind beide nur so stark, wie das schwächere Glied dieser Einheit. 

Das Mentale spielt selbstverständlich ebenfalls eine große Rolle und muss meiner Meinung nach mehr Beachtung finden. Selbsteinschätzung, Willenskraft, Motivation oder Selbstdisziplin - Verschiedene Begriffe, welche alle unter einem Dach zusammengefasst werden können: Mentale Stärke. Mehr dazu HIER.

Die meisten Menschen entdeckten schon sehr schnell, dass der Körper viel mehr leisten kann, als es der Kopf glauben will. So wirkt sich die körperliche Leistung positiv auf den Kopf aus - mehr Vertrauen und ein größeres Selbstbewusstsein. Und das funktioniert natürlich auch genau anders herum. Wer an sich glaubt, kann mehr schaffen, als ursprünglich gedacht.

#5:

Wer in einer Sache zum Meister geworden ist, sollte in einer neuen Sache wieder zum Schüler werden.
— Gerhard Hauptmann (1862 - 1946)

Sich zu bewegen, ist wie spielen. Spielend bewegen lernen, könnte man sagen. Ich verlasse nie den "Spielplatz der Bewegung. Fordere mich immer wieder neu heraus!

Sich regelmässig mit neuen Dingen zu konfrontieren ist wichtig. So bleibst du geschmeidig. Dein Gehirn baut unentwegt neue Verknüpfungen auf. Das hält jung und macht ausserdem viel mehr Spaß als stumpfes 10 mal dies oder jenes sitzend in einem Gerät vor und zurück zu drücken.

Mein Weg zum Ziel?

#6:

Trainiere fundamentale (menschliche) Bewegung. Nicht Muskeln.
— Dan John

Das Training fundamentaler Bewegungen setzt immer ein Ganzkörpertraining voraus. Das isolierte Training an Geräten ist nur Zweckmässig, falls eine Beeinträchtigung einzelner Muskeln vorliegt, welche es notwendig macht diese im isoliert zu kräftigen. Hiernach sollte immer die Reintegration in die Bewegungsmuster erfolgen.

Diese Bewegungsmuster sind (Vgl. auch Paul Chef, 2001)...

  1. Fortbewegung - Gehen, laufen, krabbeln, sprinten...
  2. Tragen, Schieben, Ziehen mit Widerstand
  3. (Anti-) Rotationsbewegungen
  4. Kniedominante Bewegungen
  5. Hüftdominante Bewegungen
  6. Zugbewegungen (horizontal und vertikal)
  7. Druckbewegungen (horizontal und vertikal)

Konkret also Ausfallschritte, Kniebeugen, Sprünge, Klimmzüge, Liegestütz etc., in zwei Wörtern ausgedrückt:

FUNKTIONELLES TRAINING.

 

Schmerzfreiheit und Verletzungsprophylaxe stehen selbstverständlich an oberster Stelle der Zielsetzung. 

Schmerz ist ein Schrei nach Veränderung und sollte nicht ignoriert werden. Aufgeben muss man deshalb aber noch lange nicht! Sportliches Training, sowohl Beweglichkeits-  als auch Muskelaufbautraining hat positive Auswirkungen auf das Schmerzempfinden und unsere Stärke.

#stärkermitjedemWiderstand.

Beste Grüße vom Schweinehundbezwinger

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